Monday, July 21, 2014

Mandela Tag in einem Township



Von: Kimberly Gepkens

Townships sind Wohnsiedlungen die damals als Symbol der Rassentrennungspolitik für die schwarze, farbige und indische Bevölkerung eingerichtet wurden. Nelson Mandela kämpfte für Freiheit und gegen Rassentrennung, Unterdrückung und soziale Ungerechtigkeit. Er ist ein Held für die Menschen und sein Geburtsdatum, der 18.07, wird als Mandela Day gefeiert. Dieses Jahr erstmals ohne ihn…
 
Khayelitsha ist das drittgrößte Township Südafrikas und liegt am Stadtrand von Kapstadt. Auf der einen Seite gibt es dort süße kleine Häuser in denen Familien wohnen, doch gegenüber gelegen befinden sich die Wellblechhütten. Auch wenn die Situation immer besser wird, hat noch nicht jedes Haus eigene Elektrizität. Die Verhältnisse der Townships sind sehr unterschiedlich und auch innerhalb eines Townships gibt es verschiedene Lebensweisen. 

„Gogo’s kitchen“

Trotz der verbesserten Lebensverhältnisse herrscht weiterhin eine große Kriminalität in den Townships und dabei spielen auch die Gangs eine bestimmte Rolle. Um die Kinder und Jugendlichen aus den Gangs herauszuholen oder dafür zu sorgen, dass sie gar nicht erst in diese Kreise geraten, haben es sich mehrere Projekte und Plätze in den Townships zur Aufgabe gemacht, diesen Kindern und Jugendlichen einen Zufluchtsort zu bieten. Und somit hoffentlich eine bessere Zukunft.

So ein Ort ist auch „Gogo’s kitchen“.  Dort werden verschiedene Projekte vereint, die sich mit unterschiedlichen Bereichen wie Bildung, Musik und Gemüseanbau beschäftigen. Die Kinder und Jugendlichen finden dort eine Beschäftigung und werden somit von der Straße geholt. Sie zeigen Interesse an ihren Wünschen und Zielen und geben ihnen somit das Gefühl etwas Wert zu sein. In „Gogo’s kitchen“ gibt es warme Mahlzeiten, aus dem eigenen Gemüsegarten, und der Platz dient den Kindern und Jugendlichen in ihrer Freizeit als Aufenthaltsraum. Hier feierten alle gemeinsam den Mandela Tag.

Nationen vereint

Zuerst kamen alle am Morgen in „Gogo’s kitchen“ zusammen. Gute Laune, neugierige Blicke und die ersten Hinweise darauf, dass es ein musikalischer Tag wird. Zwei Jungen brachten Djembes mit, eine der beliebtesten afrikanischen Trommeln. Nachdem die Schüchternheit verflogen war, begannen sie zu trommeln und strahlten dabei eine Leidenschaft und Energie aus, die sofort ansteckte. So auch bei den anderen Gästen die vor Ort waren. Denn hier trafen Italiener, Deutsche, Spanier und natürlich Südafrikaner aufeinander. Zu acht sind wir in Kapstadt losgefahren, um den Tag gemeinsam in „Gogo’s kitchen“ zu verbringen. Der Italiener war so infiziert vom Klang der Trommeln, dass er einen der Jungen bat ihm das Instrument beizubringen. Ein schöner Moment, denn sie verstanden sich auf Anhieb.

Mandela ist ein Held

Nachdem die Trommeln verstummten, wurde ein Fernseher in das Haus gebracht. Doch die Tücken der Technik reichen auch bis nach Südafrika. Somit wurde ein zweiter Fernseher organisiert und es konnte losgehen. Eine Dokumentation über Mandela und sein gesamtes Leben wurde gezeigt. Gebannt schauten alle auf den Bildschirm und verfolgten die Geschichte von Nelson Mandela, von seiner Jugend an über die 27 Jahre Haft als politisch Gefangener bis hin zu den letzten Jahren vor seinem Tod. Sobald jemand anfing zu sprechen oder sich unruhig zu verhalten, drehten sich die Kleinen um und baten um Ruhe.
Auch wenn manche vom Alter her die Rolle von Mandela noch nicht verstehen konnten, waren sie dennoch alle fasziniert von ihm. Nachdem die Dokumentation zu Ende war, hatte jeder die Möglichkeit den anderen mitzuteilen, was ihm zu Mandela einfällt. Dabei spielte das Wort „Held“ eine große Rolle. Doch auch seine Art den Leuten zu vergeben und an seinen Zielen festzuhalten, egal was passierte, begeisterte sie. Im Dezember letzten Jahres ist Nelson Mandela verstorben und somit war es dieses Jahr der erste Mandela Tag, an dem er nicht mehr auf Erden war. Ihm zu Ehren gab es dann eine Schweigeminute. 

Kunst, Musik, Tanz und Gesang

Um diesen Tag und Nelson Mandela zu ehren wurden zwei Umrisse von ihm an eine Wand gemalt. Der eine Umriss zeigt sein Gesicht, der andere zeigt ihn mit erhobener Faust. In diese beiden durfte nun jeder eine berühmte Aussage, ein Zitat oder einen Spruch von Nelson Mandela schreiben. Diese lagen ausgedruckt auf einem Tisch, damit sich jeder eins aussuchen konnte und nichts doppelt geschrieben wurde. Die Bilder werden in den nächsten Tagen noch vervollständigt, damit die anderen Kinder und Jugendlichen die Möglichkeit haben, auch einen Spruch aufzuschreiben.


 
Danach gab es Essen, zubereitet aus dem eigenen Gemüsegarten. Neben Möhren, Kohl, Fleisch und Papa (ähnlich wie Reis, aber zu einer Masse verkocht), gab es auch Mandelas Lieblingsessen: Maisbrei. Währenddessen spielte ein Duo Musik und sang auch bekannte Lieder, wie „Stand by me“ und „Hero“. Jeder unterhielt sich mit jedem und es wirkte wie eine große Familie. 


Kurz bevor der Tag zu Ende ging, zeigten die Kinder und Jugendlichen noch, was sie in „Gogo’s kitchen“ lernen. Sie sangen Lieder, dann tanzten die Jüngeren, gefolgt von den Älteren. Am Ende trug ein Junge ein selbstgeschriebenes Gedicht über Freiheit und freie Nationen vor. Begleitet von leisen Trommelklängen breitete sich eine Gänsehaut-Stimmung aus. Denn alles was er sagte, hatte einen tieferen Sinn und erzählte der Wahrheit. 

Blick in die Zukunft

Normalerweise bauen alle gemeinsam neues Gemüse im eigenen Gemüsegarten an, aber das ist immer vom Wetter abhängig. Da es stürmte und regnete, gab es diese Gelegenheit leider nicht. Man kann nur hoffen, dass mehr Kinder und Jugendliche von der Straße geholt werden und von dort fern bleiben. Diese Projekte bieten ihnen Orientierung und geben Hoffnung. Wer die Gelegenheit hat ein Township zu besuchen, sollte diese nutzen und einen Tag an einem Ort, wie diesen verbringen. Natürlich benötigen diese Geld, um ihre Projekte zu finanzieren, aber wichtig ist auch wirkliches Interesse an den Menschen selbst zu zeigen. 

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