Showing posts with label Apartheid. Show all posts
Showing posts with label Apartheid. Show all posts

Tuesday, September 8, 2015

Geschichte lieblos verpackt - Ein Ausflug nach Robben Island.

Am Samstag sollte es nach Robben Island gehen. Die ehemalige Gefängnisinsel war für mich ein Pflichtpunkt auf meiner To-Do Liste.  Herrlicher Sonnenschein und Temperaturen knapp unter 30°C versprachen perfekte Bedingungen und so ging es um 11 Uhr an der  V&A Waterfront los.


Während der 20-minütigen Überfahrt lässt sich ein herrlicher Blick auf die Bucht genießen und das Tafelbergmassiv ist in seiner gesamten Ausdehnung sichtbar.
Im kleinen Hafen der Insel begrüßen uns erst einmal ein paar Robben, die sich gemütlich auf den Hafenbefestigungen sonnen.


Nachdem unsere Gruppe das Boot verlassen hat, sollen wir uns zu den Bussen begeben. Im Eintrittspreis enthalten sind nämlich nicht nur die Bootstour und eine geführte Tour durch das Gefängnis für politische Gefangene: Los geht es mit einer 45-minütigen, kommentierten Busfahrt über die Insel. Da es auf der Insel viele verschiedene Dinge aus verschiedenen Epochen zu entdecken gibt, freute ich mich auf diese Tour. Leider war sie an vielen Stellen etwas enttäuschend.
Unser Guide wirkte, als ob sie ihren Text auswenig gelernt hätte. Es fehlte einfach an Emotionen.
Außerdem wurden wir regelrecht an den verschiedenen Orten vorbei getrieben.

Einer der historischen Friedhöfe, die wir leider nur aus dem Bus heraus betrachten konnten.
Meistens gab es keine Möglichkeit, auszusteigen, um sich ein wenig umzusehen. Nur zweimal wurde angehalten: Beim Haus von Robert Sobukwe, dem Gründer der Oppositionsbewegung Pan African Congress, hielten wir 10 Minuten an. Diese zeit reichte doch bei weitem nicht aus, um das ganze Areal anzusehen, geschweige denn Sobukwes persönliche Briefe zu lesen.

Das Haus Robert Sobukwes, der hier sechs Jahre in Einzelhaft lebte.

Die Hundezwinger für die Wachhunde in direkter Nachbarschaft zum Haus.
Die Hunde wurden hier auch zum Töten abgerichtet.



Dann ging es wieder zurück in den Bus und durch das Dorf der Stadt zum berühmten Aussichtspunkt, an dem man das Tafelbergmassiv und die Stadt als kompakte Gesamterscheinung am Horizont betrachten kann. Für diesen Ausblick allein hat sich die Fahrt dann eindeutig doch gelohnt.
Auch sonst war die Bustour informativ und durchaus interessant, aber einfach zu kurz und lieblos. Eine Viertelstunde mehr und zusätzliche Zeit an den einzelnen Etappen hätte hier schon viel ausgemacht.

Die Mothercity mal in ganz klein.
Nachdem hier alle ausreichend Fotos geschossen hatten und sich alle mit Snacks eingedeckt hatten, ging es weiter zum ehemaligen Gefängnis für politische Gefangene, dessen berühmtester Insasse Nelson Mandela war. Hier empfängt uns der nächste Guide, ein ehemaliger Gefangener.
Er führt uns zunächst in eine Gruppenzelle und berichtet über die Zustände und das Leben im Gefängnis.
Sein Vortrag ist interessant und sehr vielfältig, wenn auch wieder etwas emotionslos. Es mangelt insgesamt an Begeisterungsfähigkeit. Natürlich geht es um ernste Themen, aber auch diese lassen sich interessant vermitteln.

Blick in eine der Gruppenzellen

Der Außenhof, im Hintergrund ein Wachturm.
Nach den Gruppenzellen führt er uns zu den Einzelzellen, wo auch Nelson Mandela inhaftiert war.
Er zeigt uns den Innenhof, in dem Mandela auch einen kleinen Garten angelegt hat und erzählt über die alltägliche Interaktion zwischen Wächtern und Gefangenen und Gründe für die Inhaftierung.
Es mangelt also keineswegs an Informationen, die Tour enthält viele interessante Details. Aber es wirkt alles lieblos und nur bedingt durchdacht. Nach dem Ende der Führung haben wir noch eine halbe Stunde auf unser Boot gewartet, die wir im Hafen verbringen sollten. Es wäre besser gewesen, wenn wir die nähere Umgebung zu Fuß hätten erkunden können.

Blick in den Innenhof, rechts der kleine Garten, den Nelson Mandela angelegt hat.

Zurück an der Waterfront

An sich empfiehlt es sich schon, Robben Island zu besuchen.
Allerdings finde ich den Preis von 300 Rand für das, was uns geboten wurde, etwas zu hoch. Dabei wären nur Fehler im Detail zu beheben, um vieles besser zu machen. Fragt man jedoch Bewohner Kapstadts, bestätigen diese einstimmig, dass die Probleme seit Jahren unverändert bestehen.
Schade um so ein bedeutendes Stück Geschichte!
Dennoch sollten Kapstadt-Besucher einmal hier gewesen sein. Robben Island gehört zu Kapstadt wie der Tafelberg und bietet interessante Einblicke, trotz vieler Mängel.



Alle Infos zu Touren und Ticketverkauf gibt es hier!


Von: Johannes Huland

Tuesday, September 30, 2014

Auf den Spuren Nelson Mandelas


Von: Kimberly Gepkens

Wie sieht der Ort aus an dem Nelson Mandela 18 Jahre Haft verbrachte? Viele stellen sich diese Frage und daher ist es kein Wunder, dass die Fahrten nach Robben Island schon viele Tage im Voraus ausgebucht sind. Denn bei einem Besuch in Kapstadt darf die Besichtigung dieser Insel auf keinen Fall fehlen.
 
Im Jahr 1939 wurde Robben Island zur Gefangeneninsel erklärt, da sie weit vom Festland entfernt ist und Flüchtlinge sich durch den kalten Atlantik und seine starken Strömungen hätten kämpfen müssen. Zur Zeit der Apartheid waren hier hauptsächlich politische Gefangene und somit auch Nelson Mandela untergebracht. Nachdem 1991 das Hochsicherheitsgefängnis aufgelöst wurde und fünf Jahre später der gesamte Komplex, dient dieser Ort seit 1997 der Erinnerung und wird täglich von hunderten Besuchern besichtigt.

Der erste Eindruck

Nur ein Weg führt nach Robben Island und dieser startet am Hafen der V&A Waterfront im Robben Island Museum. Von dort aus fahren drei- bis viermal am Tag Fähren von Kapstadt zur Insel hinaus. Während der Wartezeit an der Waterfront können sich die Besucher im Gebäude umsehen und Bilder entdecken, die Nelson Mandela zeigen und seine Geschichte wiedergeben sowie eine Timeline, die die Geschichte Robben Islands darstellt. Danach geht es auf die Fähre, die etwa 30 Minuten unterwegs ist. Schon von weitem sind die Umrisse der Insel erkennbar. Dort angekommen, bekommen die Besucher zunächst einen Überblick über die Insel. 

Bei der Ankunft stehen Busse bereit, die sie auf eine Inselrundfahrt mitnehmen. Dabei wird an wichtigen Stellen angehalten und die Führer geben ein paar Fakten preis. Es gibt die Möglichkeit Fotos zu machen. Dazu gehört unter anderem der Kalksteinbruch, wo die Gefangenen und auch Nelson Mandela Tag für Tag schwere Arbeit verrichten mussten, zum grössten Teil unter der drückenden Hitze Südafrikas. Der Kalksteinstaub verursacht Lungenschäden und das Sonnenlicht, das von den Steinen wiedergespiegelt wird, schadete den Augen. Daher waren die Gefangenen einem hohen, gesundheitlichen Risiko ausgesetzt. Heute findet man dort einen Steinhaufen, denn als Nelson Mandela die Insel besuchte und den Verstorbenen gedachte, nahm dieser einen Stein und legte ihn nieder. Die sollte für jeden einzelnen Gefangenen geschehen. Auch das Moturu Kramat spielt eine wichtige Rolle, vor allem für die muslimischen Besucher. In Gedenken an Sayed Adurohman Moturu, Prinz von Madura, wurde dieses Gebäude im Jahr 1969 erbaut und soll an den Gefangenen erinnern, der 1754 auf Robben Island verstarb. Ein weiteres, wichtiges Gebäude ist das Robert Sobukwe Haus, in dem gleichnamiger viele Jahre in Einzelhaft verbringen musste und von der Aussenwelt komplett abgeschottet wurde. 

Nelson Mandelas Zelle

Nach einem kurzen Stopp an einem Fotopunkt, von wo aus perfekte Sicht auf den Tafelberg und Kapstadt geboten wird, geht es zum Ort des Geschehens: das Hauptgefängnis. Vor dem Gebäude wartet ein ehemaliger, politischer Gefangener, da die Führungen durch das Gefängnis immer von ihnen durchgeführt werden. Sie haben die Geschichte am eigenen Leib erfahren und können somit die Ereignisse, Empfindungen und das Geschehene viel besser wiedergeben. Die Gruppe wird durch die einzelnen Trakte geführt. Je nach kriminellem Grad wurde entschieden, in welchem Trakt die Gefangenen untergebracht wurden. Das System und die eigenen Erfahrungen werden von den Führern erklärt, während sie durch den gesamten Komplex führen.

In einem Innenhof wird gestoppt, wo sich die Gefangenen damals tagsüber aufgehalten haben. Von dort aus gibt es einen Eingang zu den einzelnen Zellen. Die Zelle von Nelson Mandela wurde wohl so erhalten, wie sie damals von ihm verlassen wurde. Daher ist sie nicht begehbar, ganz im Gegensatz zu den anderen. Dort hängen Bilder der Gefangenen und Tafeln auf denen ihre Geschichte niedergeschrieben wurde. Aus manchen Zellen tönen Gesänge, die den Gefangenen damals Mut gegeben haben und eine besondere Bedeutung für sie hatten. 

Zum Ende hin wird man in einen Raum geführt, in dem der Führer das System mit den Nummern erklärt. Denn die Gefangenen hatten keine Namen mehr, sondern waren auf Robben Island nur noch eine Nummer. Ausserdem sind dort Meldekarten, die jeder Gefangene besaß, und die Gefangenenkleidung ausgestellt. Zusätzlich gibt es noch Zeichnungen von Betten aus den Zellen, in denen mehrere Personen gleichzeitig untergebracht waren. Die Tour endet hier und alle Besucher gehen zu Fuss zum Hafen zurück, wo die Fähre bereits wartet, um alle zurück auf das Festland zu bringen.

Die Fähren fahren täglich um 9 Uhr, 11 Uhr, 13 Uhr und 15 Uhr von der V&A Waterfront ab. Tickets kosten etwa R250 und sind vor Ort oder unter http://www.webtickets.co.za/event.aspx?itemid=76219 erhältlich.

Wednesday, August 27, 2014

Einmal Kapstadt gratis, bitte



Von: Kimberly Gepkens

Jetzt ist man eine ganze Zeit in Kapstadt. Es ist toll und man hat viel erlebt, aber über Kapstadt selbst hat man nicht so viel erfahren. Die Stadt hat so viel zu erzählen, also sollte man auch hinhören. Da bietet sich eine Walking Tour durch Kapstadt an – und diese ist sogar kostenlos.

Jeden Tag startet die Cape Town Free Walking Tour an der St. George’s Cathedral und nimmt die Teilnehmer mit auf eine Reise in die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft Kapstadts. Dabei gibt es einiges zu entdecken. Die Führer stammen alle aus Kapstadt und ihre Geschichte und Lieblingsorte werden in die Tour mit einbezogen.

Albinos und der älteste Bewohner Kapstadts

Die Tour startet an der St. George’s Cathedral. Zu Beginn, falls etwas Zeit übrig ist, bekommen alle die Möglichkeit, sich die Kirche anzuschauen. Sobald alle da sind, geht es los. Die erste Station ist Company’s Garden, der ursprünglich zum Gemüsegarten von Jan van Riebeeck gehörte. Hier finden sich heute unzählige Denkmäler, von denen manche während der Tour genauer erklärt werden. Am Garten gelegen, ist das De Tuinhuys, das heute als Amtssitz für den südafrikanischen Präsidenten dient. Von aussen ein 
wunderschönes Gebäude, das aber leider nicht besichtigt werden kann.

Im Garten selbst sollten man Ausschau nach einem weissen Eichhörnchen halten, denn es ist das einzige weisse im gesamten Garten. Dabei handelt es sich um einen Albino. Bald darauf lernt man den ältesten Bewohner Südafrikas kennen. Es handelt sich um den ältesten, kultivierten Birnenbaum Südafrikas aus dem Jahr 1652.

Apartheid und Blumenmeer

Von der Natur geht es zu einem Gebäude, vor dem zwei Bänke stehen. Diese sollen an die grausame Zeit der Apartheid erinnern. Auf der einen Bank steht geschrieben, dass dort nur Weisse sitzen dürfen, die andere Bank gilt den Nicht-Weissen. Ausserdem finden sich Informationen darüber, wie viele in die Kategorie weiss oder nicht-weiss eingestuft wurden. Der Guide versucht die ganze Apartheid verständlicher zu machen und nennt Gesetzte, die 
verabschiedet wurden.

Da die Stimmung danach etwas gedrückt ist, geht es weiter zum berühmten Blumenmarkt in der Adderley Street. Hier finden sich alle Blumenarten in den verschiedensten Farben. Darunter die Nationalblume Südafrikas, die Königsprotea.

Danach bewegt sich die Gruppe in Richtung Grand Parade, ein riesiger Platz, der als Marktplatz genutzt wird. Von hieraus hat man Ausblick auf Castle of Good Hope, District Six und die City Hall. Caste of Good Hope ist das älteste, europäische, originale Gebäude Südafrikas, District Six ist ein Bezirk, der in den 1960er Jahren zerstört wurde und heute ein Museum ist und die City Hall ist bekannt für Nelson Mandelas Rede im Februar 1990. Er wurde freigelassen und das Volk wartete dort auf ihn. Mehr Informationen und Fakten werden während der Tour vom jeweiligen Guide erläutert.

Sklavenhaltung und St. George

Von dort aus geht es weiter zur Slave Lodge, einem Gebäude und heutigem Museum, in dem damals Sklaven gehalten wurden. Von dort aus haben die Gäste Aussicht auf den Verkaufsplatz der Sklaven. Hier mussten sie sich hinstellen, während auf der anderen Seite für sie geboten wurde. Viele der Sklaven bekamen einen neuen Namen von ihrem Herrscher. Damit sie niemals komplett in Vergessenheit geraten, wurden ihre neu gegebenen Namen auf schwarze, quadratische Blöcke geschrieben, die sich gegenüber dem Verkaufsplatz befinden.

Danach geht es zum letzten Stopp und somit zum Anfangspunkt: die St. Georges Cathedral. Sie ist Sitz des anglikanischen Erzbischofs von Kapstadt. Neben den Messen finden hier auch Konzerte statt. Ausserdem ist sie bekannt für ihre wunderbaren Glasmalereien und das Chorgestühl aus Stinkwood im Inneren. Unterwegs sieht man noch viel mehr, wie zum Beispiel den Green Market Square.

Die Tour dauert etwa eineinhalb Stunden und findet zweimal am Tag statt, um 11 Uhr und um 14 Uhr. Mehr Informationen gibt es unter http://www.nielsentours.co.za/ oder +27(0)766369007.